Presse 2020


Einzigartiges historisches Panorama / Offenbach Post 3.2.2020

Dreieich: Großes Interesse an Vernissage zur Ausstellung der Bürgerstiftung Dreieich "Jahrhundertzeiten"

Groß ist der Andrang am Samstagnachmittag im Dreieich-Museum. An die 100 Besucher zählt die Vernissage zur Eröffnung der Ausstellung "Jahrhundertzeiten - Dreieich im Zeitvergleich". Schnell kommen sie anhand der mehr als 100 Fotos ins Gespräch und tauschen Erinnerungen aus.

Dreieichenhain - Die Ausstellung ergänzt das Dreieich-Memospiel, zusammengestellt vom Fotografen Stephan Heinsius für die Bürgerstiftung. Dieses enthält 36 Bildpaare, die anhand eines historischen und eines aktuellen Fotos desselben Ortes Veränderungen über die Jahrzehnte sichtbar machen. In der Schau werden aber nicht nur mehr Bildpaare, insgesamt 50, gezeigt. Diese werden mit Einzelfotos zusammengefasst zu Collagen zu 30 Themen, die - wie aufgereiht an einer Kette - Auskunft geben, wie sich das Leben in Dreieich und den Stadtteilen entwickelt hat.

Und da gab es gute und schlechte, helle und dunkle Zeiten. Dieses Thema greift Detlef Odenwald auf, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, der Hausherr des Museums ist. Er bedauert, dass es heute wieder Menschen gebe, die die Zeit zurückdrehen wollen und in Nationalismus verfallen. "Das darf nicht sein." Odenwald verweist als Mahnung auf markante Ereignisse in der vergangenen Woche wie den Holocaust-Gedenktag oder den bedauerlichen Brexit.

Bürgermeister Martin Burlon lobt "Jahrhundertzeiten" als Gemeinschaftswerk von Bürgern für Bürger, da viele sich mit ihren Fotos am Zustandekommen beteiligt hätten. Zugleich hebt er den Einsatz der Bürgerstiftung hervor, die viel Gutes bewirke.

Heidi Soboll, Vorsitzende der Bürgerstiftung, wirbt für die gemeinnützige Einrichtung von Bürgern für Bürger. Seit 2013 sei mit großer Unterstützung viel für die Tätigkeitsbereiche Jugend und Altenhilfe erreicht worden. Maßgeblich seien die drei Botschaften "zusammen wirken, miteinander wachsen und gemeinsam leben", wie auch auf den ausliegenden Flyern zu lesen ist. Die Bürgerstiftung sei zudem eine Plattform, auf der sich jeder mit Ideen und Projekten einbringen könne. Und dazu zählen die "Jahrhundertzeiten" von Stephan Heinsius, ein einzigartiger Fundus an Zeitdokumenten.

Über die Exponate kommen die Besucher schnell ins Gespräch und tauschen Erinnerungen aus. © Jost

Zugleich weist sie auf das Projekt der Bürgerstiftung hin, das Stiftungskapital zu erhöhen, um vom Bundesverband deutscher Stiftungen die Erlaubnis zu bekommen, neue Arbeitsfelder wie Heimatkunde und -pflege zu erschließen. Aktuell fehlen dazu noch an die 19 000 Euro.

Heinsius nennt den Titel "Jahrhundertzeiten" eine Wortschöpfung. Denn auch in einem Jahrhundert gebe es verschiedene Jahreszeiten. Ausgangspunkt für das Projekt sei für ihn das Jahr 2014 mit gleich vier Jubiläen gewesen. Heinsius nennt den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914, den Ausbruch des Zweiten 1939, den Höhepunkt des Babybooms 1964 und den Fall der Mauer 1989. Das machte ihn neugierig, herauszufinden, wie es da in den fünf Dreieicher Stadtteilen ausgesehen hat. So kam ihm die Idee, historische und aktuelle Fotos gegenüberzustellen, um die Veränderungen erlebbar zu machen. Daraus ist ein interaktives Projekt mit vielen Unterstützern entstanden - sowohl bei der Suche nach den alten Fotos als auch beim Erstellen der neuen. Heinsius hat diese zu 30 Themen arrangiert - von den Eichen über die Mühlen und die Burg bis zu den Stadtteilen, zur Landwirtschaft, zur baulichen Entwicklung, zur Dreieichbahn zu Schulen, Feuerwehr, Sportanlagen oder Orten der Erinnerung. Aber nicht zu allen alten Fotos konnten aktuelle gemacht werden, da sich die Voraussetzungen doch zu stark verändert haben. Diese sind zum Teil als Einzelfotos auf den Collagen enthalten.

Heinsius habe vier Erkenntnisse gewonnen. Diese sind das Zusammenwachsen der Stadtteile, das enorme Wachstum der Bäume, die Kirchen als Fels in der Brandung der umliegenden Bebauung sowie die Autoschwemme im Vergleich zu früheren Jahrzehnten.

Zugleich hofft er, dass die Ausstellung als Ganzes erhalten bleibt: "Und vielleicht kommt jemand in einigen Jahren auf die Idee, das Projekt mit neuen Gegenüberstellungen fortzuführen". Mit der Schau möchten Heinsius und die Bürgerstiftung auch herausfinden, ob Interesse an einem Buch zu dem Projekt besteht. Dazu liegt ein Fragebogen aus, mit dem auch weitere historische Fotos gesucht werden.

Auf die Besucher wartet zudem ein kleines Ratespiel, bei dem drei Eichen gefunden werden müssen. Als Gewinn winkt ein Dreieich-Memo. Dieses gibt es natürlich im Dreieich-Museum zu kaufen.

Die Schau "Jahrhundertzeiten", die in Nebenräumen durch Fotos von Stephan Heinsius zu Himmelsphänomenen ergänzt wird, ist noch bis zum Sonntag, 23. Februar, samstags von 14 bis 18 und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. / VON HOLGER KLEMM